Die Helvetia Patria verfügt über eine exklusive Kooperation mit Raiffeisen für den Vertrieb von Einzel-Lebenprodukten. Gibt es Überlegungen, diese Kooperation auf das Geschäft mit der beruflichen Vorsorge (BVG) auszudehnen?
Vor drei Jahren, als unser Marktanteil im BVG-Geschäft tiefer war als der in der Einzel-Lebensparte, setzten wir uns Marktanteilsgewinne zum Ziel. Das ist uns gelungen. Heute haben wir keine weiteren Absichten, uns hier zu verstärken. Unsere langjährigen Partner im BVG-Geschäft sind die Kantonalbanken, mit denen wir die Sammelstiftung SwissCanto (vormals Servisa) unterhalten. Wir sind nach wie vor vom Geschäftsmodell der Sammelstiftung mit Zinsgarantie und jederzeitiger 100-prozentiger Kapitaldeckung überzeugt. Der volkswirtschaftliche Sinn besteht darin, den KMU-Betrieben die Vorsorge- und Anlagerisiken abzunehmen, damit sie vermehrt im operativen Geschäft chancenreiche unternehmerische Risiken eingehen können. Das ist ganz wichtig im KMU-Segment, in dem wir tätig sind: Der durchschnittliche Personalbestand der bei uns angeschlossenen Betriebe liegt bei 8.5 Personen; das sind also primär kleingewerbliche Unternehmen.
Können Sie in diesem Bereich eine vernünftige Eigenkapitalrendite für Ihre Aktionäre erwirtschaften?
Bis Ende der Strategieperiode 2006 wollen wir im Lebengeschäft eine nachhaltige Eigenkapitalrendite von acht Prozent erzielen. Hierzu haben wir intern alles Nötige unternommen, namentlich die Senkung unserer Kosten, Verrechnung höherer Kosten- und Invaliditätsprämien, Splitting des Geschäfts mit unterschiedlichen Konditionen sowie eine zurückhaltende Zeichnungspolitik. Längerfristig sind zehn Prozent realistisch, wenn die externen Rahmenbedingungen stimmen. Das Hauptproblem ist dabei nicht der zu hohe und «verpolitisierte», jährlich neu festgelegte BVG-Mindestzins, sondern der Rentenumwandlungssatz. Wir setzen darauf, dass bereits 2005 das Parlament hängigen Begehren Folge leisten wird und den Satz schneller senkt als über die nächsten zehn Jahre von 7.2 auf 6.8 Prozent.
Warum investieren Sie statt ins «verpolitisierte» BVG-Geschäft nicht ins rentablere Nicht-Lebensegment, vor allem in den Auslandmärkten?
Derzeit lassen sich zum Beispiel im italienischen oder deutschen Nicht-Lebenbereich tatsächlich deutlich höhere Eigenkapitalrenditen erzielen. Aber die Bäume wachsen auch dort nicht in den Himmel; irgendwann werden die Renditen wieder zurückkommen. Ausserdem muss man unterscheiden zwischen Sach- und Motorfahrzeuggeschäft. Letzteres ist ebenfalls regelmässig ein politisches Thema und weist seit Jahren eine tiefere Rentabilität als das Sachgeschäft auf. Unser Vorteil ist, dass wir stärker im Sachgeschäft tätig sind. Auch in Zukunft wollen wir an einem ausgewogenen Prämienmix zwischen Leben und Nicht-Leben festhalten, da wir mit dieser Diversifikation über einen nützlichen Risikoausgleich verfügen.