
Compliance ist eine Antwort auf verschiedene Firmenskandale in den USA, aber auch in Europa und der Schweiz. Bilanzfälschungen, Kartellabsprachen und andere Gesetzesverstösse haben zu Aktienkurseinbrüchen, Sanktionen in Millionenhöhe und Abwahlen von Topmanagern sowie Berufsverboten geführt.
Das Verlangen nach einer fairen und transparenten Unternehmensführung und -kontrolle nimmt nicht nur in der Öffentlichkeit stetig zu, sondern auch bei Aktionären, Behörden und Gerichten. Die Helvetia Patria misst seit jeher einer guten Compliance eine hohe Bedeutung bei und legt Wert auf ein tadelloses rechtliches und ethisches Verhalten.
Der Begriff Compliance
Compliance zielt im Wesentlichen auf das Verhalten bezüglich der im Arbeitsbereich geltenden Normen des Rechts und der Ethik. Es geht aber nicht nur um die Befolgung von aktuell geltenden Gesetzen, Richtlinien, Weisungen und Standards, sondern auch um die bewusste und gewollte Einhaltung von Regeln im weitesten Sinne.
Compliance ist in der Schweiz seit den 90er-Jahren insbesondere im Bereich der Finanzdienstleistungen ein Thema. Zunächst beschränkte sich Compliance vorwiegend auf die Verhinderung von Geldwäscherei und Insiderhandel sowie Interessenskonflikten.
Der Begriff geht heute viel weiter und bezweckt das Erkennen, das Managen, das Reduzieren und das Vermeiden von rechtlichen und regulatorischen Risiken (legal risks) wie auch von sozialen, ethischen und Rufrisiken (reputation risks).
Darüber hinaus enthält die Compliance eine bedeutsame ethische Dimension, die stark geprägt ist von Wertvorstellungen in Gesellschaft und Politik. Grundlage für ethisches Verhalten sind vor allem Ehrlichkeit, Integrität, Anstand, Loyalität, Respekt, Pflicht, Verbindlichkeit, Verantwortung und Würde. Gerade in den so genannten Grauzonen, das heisst dort, wo das Gesetz nicht explizit etwas verbietet oder erlaubt, sollte die ethische Dimension eine wesentliche Rolle spielen. Die Orientierung an ethischen Werten hilft den Mitarbeitenden bei Interessenkollisionen oder in Dilemmasituationen, sich richtig zu entscheiden und zu verhalten.
Compliance betrifft in diesem Sinne jeden Mitarbeitenden und stellt ein unerlässliches Hilfsmittel zur Führungskontrolle dar.
Reputation als wichtiges Aktivum
Neben harten Fakten beeinflussen immaterielle Werte die Bewertung eines Unternehmens immer mehr. Einer der wichtigsten immateriellen Vermögenswerte ist dabei die Unternehmensreputation.
Der Begriff Reputation fasst die Einstellungen und Meinungen verschiedener Bezugsgruppen zu einem Unternehmen zusammen. Darunter werden im Gegensatz zum Image ausschliesslich affektive Urteile verstanden. Zentral sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen sowie das daraus resultierende Wohlwollen gegenüber einem Unternehmen – auch in Krisenzeiten. Vertrauen und Glaubwürdigkeit lassen sich nur durch erwartungskonformes Handeln erzeugen.
Aufgaben von Compliance
Compliance Management umfasst Informationsbeschaffung und Informationsverarbeitung, um Trends und Entwicklungen im Wirtschafts- und Unternehmensumfeld zu beobachten, aufzunehmen und zu verwerten. Dies birgt den Charakter eines Frühwarnsystems in sich und dient der Prophylaxe oder Prävention. Zudem werden Mitarbeitende in compliancerelevanten Angelegenheiten beraten und unterstützt.
Mittels Informationen und Schulungen werden die Mitarbeitenden für die Wichtigkeit von Compliance sensibilisiert. Weiter gehören die Überwachung der Einhaltung von Gesetzen und Weisungen sowie die Berichterstattung dazu. Aufgedeckte Missstände werden mit geeigneten Massnahmen korrigiert und allenfalls sanktioniert.
Nutzen von Compliance Management
Im Fokus steht die Vermeidung von Wertvernichtung durch Regelverstösse. Die Vernichtung von Werten kann in Form von vermeidbaren Bearbeitungs- und Verfahrenskosten, Geldstrafen, rufschädigenden Schlagzeilen, Aktienkurseinbrüchen oder Strafverfahren entstehen.
Compliance soll und kann auch verhindern, dass der Gesetzgeber aktiv wird. Die Flut von stets neu geschaffenen Gesetzen und Regulatorien hat erhebliche Auswirkung auf unser wirtschaftliches Handeln.
Damit die Tätigkeit von Compliance mit einer Wertschöpfung verbunden ist, müssen Sensibilität und Bewusstsein autonom entwickelt werden. Auch das Verfassen, Lesen, Verstehen und Befolgen von Reglementen und Weisungen bilden Bestandteil der Wertschöpfungskette. Andernfalls wird die Wertschöpfung von flüchtiger Dauer sein.